Sektion junge DMG (jDMG)

Vorstellung_Personen

Hans Richard Max Ertel (1904-1971)

Verfasst von am 25. November 2022

Für die Meteorologie ist Ertel vor allem durch sein Wirbeltheorem, also die Potentielle Vorticity (PV, 1942), bekannt. Allerdings hat er auch bedeutende weitere Pionierarbeiten auf den Gebieten der Hydrodynamik geleistet (z.B. zur Wettergeschichte Europas oder zur hydografischen Kartografie). Sein Werdegang begann wesentlich am früheren Preußischen Meteorologischen Institut wo er u.a. mit Albert Defant in Kontakt kam. Nach seinem Beitritt zur NSDAP 1940 wurde er 1941 außerordentlicher Professor am Meteorologischen Institut der Berliner Universität. Nach dem Krieg (1946) erhielt er eine Berufung als Professor für Geophysik an der Universität Berlin und wurde Direktor des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität. Drei Jahre später wurde er dazu noch Direktor des Instituts für physikalische Hydrographie der Akademie in Berlin. Im Jahre 1950 wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Von 1951-1961 war er dann Vizepräsident der Akademie. Während seiner Schaffenszeit pflegte er teils enge Kontakte mit Kollegen aus westlichen und blockfreien Staaten und sorgte so auch über den Eisernen Vorhang hinweg für einen guten wissenschatlichen Austausch. Zu seinen zeitgenössischen Mitstreitern gehörte u.a. der Gründer des Instituts für Meteorologie der FU in Westberlin (1949) Richard Scherhag. – Man könnte Ertel also auch als Direktor des ostberliner Pendants zum Institut für Metoroloige der neugegründeten FU-Berlin in Westberlin ansehen, was unter propagandistischen Gesichtspunkten dieser Zeit durchaus zutreffend scheint. Er ist Namensgeber des Hans-Ertel-Zentrums für Wettervorhersage (https://www.hans-ertel-zentrum.de/).

Text: Joscha Pültz
Bild: https://www.bbaw.de/die-akademie/akademie-historische-aspekte/mitglieder-historisch/historisches-mitglied-hans-ertel-696

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Dr. Richard Scherhag (1907-1970)

Verfasst von am 29. Oktober 2021

Dr. Richard Scherhag (1907-1970) ist für die Meteorologie aus verschiedenen Gesichtspunkten interessant. Der Gebrauch der Höhenwetterkarte (500 hPa) seit 1934 geht auf ihn zurück. Während des Dritten Reiches war er Leiter der Abteilung Höhenwetterdienst am Reichsamt für Wetterdienst in Berlin. In dieser Zeit entwickelte er eine Methode zur empirischen 24-Stunden Bodenvorhersage, ein Verfahren das 25 Jahre in der Wettervorhersage eingesetzt wurde. Zur Zeit der Berliner Mauer ist er wohl als westlicher Gegenspieler zu u.a. dem im Osten der Stadt Hans Ertel (1904-1971) anzusehen. Als Gründer des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin (1949) gelang es ihm nicht nur eine Institution für die Forschung und Lehre zu schaffen, sondern auch die Westberliner mit Wettervorhersagen zu versorgen, da dies dem Wetterdienst im Westen der geteilten Stadt untersagt war.
Durch seinen wachsamen Geist gelang ihm eine Entdeckung. Bei den Radiosondenaufstiegen am Flughafen Tempelhof wurden auch die Temperaturen in der Stratosphäre (ca. 12-50 km Höhe) registriert. Da die Messreihen plötzliche Temperaturschwankungen beinhalteten misstraute der diensthabende Meteorologe diesen und deklarierte sie als fehlerhaft. Allerdings kam Scherhag auf dem Heimweg regelmäßig am Flughafen vorbei und guckte sich die Roh-Daten an, in denen er ebendiesen markanten Temperaturanstieg in der Stratosphäre fand. – Dies wurde dann als „Berliner Phänomen“ bekannt und findet sich heute in der Literatur als Sudden Stratospheric Warming wieder. Durch die Kopplung von stratosphärischer und troposphärischer Zirkulation kann dies u.a. zu markanten Wintereinbrüchen in Mitteleuropa beitragen.

Text: Josha Pültz
Bild: Von Marcusbahlo – Template:Institut für Meteorologie, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55810141

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